„Macht Energie Politik?“ Diese Frage stellten Stadtverbandsvorsitzender Thorwald Teuffel von Birkensee (m.) und rund zwanzig Gäste den Referenten Tino-Martin Marling (l.) und Marcus Mattis (r.). (Foto: Chr. Robel)
Prof. Dr. Marcus Mattis
Tino-Martin Marling

CDU Filderstadt fragte
„Macht – Energie – Politik?“

(as/tvb) Für den unter dem Motto „Macht – Energie – Politik?“ stehenden politischen Frühschoppen im Gasthaus Schwanenbräu in Bernhausen konnte die CDU Filderstadt diesmal gleich zwei hochkarätige Referenten gewinnen, Prof. Dr. Marcus Mattis und Tino-Martin Marling. Beide sind seit vielen Jahren national und international im Bereich der Energiewirtschaft, des Anlagenbaus, der Energieinfrastruktur, der Genehmigungsverfahren und des Konfliktmanagements tätig.

Zunächst führte Tino-Martin Marling in die derzeitige Lage der Energieerzeugung und deren Zukunft ein. Kaum jemandem dürfte bewusst sein, dass man um eine kWh Strom zu erzeugen rund acht Stunden auf einem Hometrainer arbeiten muss. Von diesem Ausgangspunkt startend erläuterte Marling die derzeitigen Energieerzeugungsmethoden, deren Wirtschaftlichkeit und die dafür in Zukunft noch zur Verfügung stehenden Ressourcen. Er ging auch auf verschiedene technische Aspekte, wie die Funktionsweise und die hohe Effizienz moderner Dampfturbinen, ein.

Hervorgehoben wurden Notwendigkeiten und Probleme alternativer Energieerzeugung, sowie technische Voraussetzungen, die zunächst geschaffen werden müssen.

Genau wie bei der Windenergie besteht auch bei der Solarenergie das Problem, dass eine kontinuierliche Versorgung eben nicht zur Nachtzeit oder bei Flaute gesichert ist. Ausgleichs- bzw. Puffermöglichkeiten müssen geschaffen werden, wofür auch ein modernes europäisches Hochspannungsnetz notwendig ist.

Marling betonte, dass man nicht vergessen dürfe, dass die Stromversorgung im Jahr 2020 in Deutschland nach derzeitiger Planung nicht mehr aus eigener Kraft gewährleistet sein wird. Dies führe zwangsläufig zu Importen aus dem Ausland. Frankreich baut derzeit neue Atomkraftwerke. In Europa sind aktuell 14 neue Atomkraftwerke in Bau und Planung. Vor diesem Hintergrund betrachtet erscheint es etwas fragwürdig, wenn man in der Gewissheit, dass an Deutschlands Grenzen neue Atomkraftwerke entstehen, sein Gewissen beruhigt, in dem man die im Inland vorzeitig abschaltet.

Heute können über Wind- und Solarenergie zusammen knapp 10 % des Energieverbrauchs gedeckt werden. Allein für bereits aufgestellte Solaranlagen, die zusammen unter 2 % des Energiebedarfs decken können, werden über 50 Milliarden Euro staatlicher Förderung fällig, die über das Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG) auf die Bürger umgelegt werden. Ihre Gesamteffizienz müsse hinterfragt werden, insbesondere im Hinblick auf gefährliche Inhaltsstoffe wie z.B. Cadmium und den massiv steigenden Preis beim Endverbraucher im Verhältnis zu Anteil und Effizienz der Technologie.

Angesichts dieser Probleme steht Deutschland vor großen Herausforderungen, aber auch Chancen, wenn die Technologieführerschaft bei umweltfreundlicher und schonender Energieerzeugung Bestand haben soll.

Professor Marcus Mattis setzte seinen Schwerpunkt auf die Problematiken anstehender Netzübernahmen durch die Kommunen bei der Neuvergabe der Stromkonzessionen. Chance zur Übernahme durch die Stadtwerke mit Erwirtschaftung hoher Gewinne oder doch - eher großes - Risiko?

Mattis, der schon viele Stadtwerke beraten hat, ist eher skeptisch und rät zur Vorsicht. Zum einen fehlt kleinen Netzversorgern das Know-how, zum anderen können sie die Wartung kaum wirtschaftlich gewährleisten. Insbesondere im Störfall stünde qualifiziertes Personal zur Störungsbehebung nicht zeitnah ausreichend vor Ort zur Verfügung. Eine totale Zerstückelung des Stromnetzes auf verschiedenste Betreiber könnte somit dem Verbraucher mehr schaden als nutzen. Auch seien bedeutende Gewinne auf Grund der Preisregulierung eher unwahrscheinlich. Die Gewinne großer Versorger resultierten aus der Kombination von Erzeugung, Versorgung und Netzbetrieb.

Daher empfiehlt er gut abzuwägen, ob eine Übernahme des Netzes durch Stadtwerke wirklich sinnvoll ist. Den Stadtwerken empfiehlt er, sich eher auf dezentrale Stromerzeugung und energetische Gebäudeeffizienz zu konzentrieren.

Wie viel Einfluss darf der Staat bei Energieangelegenheiten in private Hände geben, war folgerichtig eine der zentralen Fragen in der anschließenden lebhaften Diskussion. Heftig diskutiert wurden zudem Stromspeicherung, Problematik der Stromproduktionsabfälle, Stromtransport und „Preiswertig“keiten.

 

Die Veranstaltung fand am 5. Februar 2011 im Gasthaus Schwanenbräu in Bernhausen statt.

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