Bauern auf die Wahl eingestimmt
Artikel aus der Filder-Zeitung vom 13.10.2010
Sielmingen. Bei Landwirt Fritz Alber war Minister Rudolf Köberle zu Gast.
Von Stefanie Käfferlein
Eineinhalb Stunden Zeit hatte sich Landwirtschaftsminister Rudolf Köberle für die Filderstädter Landwirte genommen. Schon am frühen Nachmittag musste er zur Fraktionssitzung zurück in Stuttgart sein. "Heiner Geissler kommt zu Besuch", sagte Rudolf Köberle gleich zu Beginn. Dennoch hätten sich die Bauern gefreut, hätte Köberle einen Blick in den Betrieb geworfen und mit ihnen noch gemütlich beisammen gesessen. "Das werden wir auf jeden Fall nachholen", versprach der Minister. Es ist Wahlkampfzeit, auch in Filderstadt.
Köberle berichtete in der Halle des Sielminger Landwirts Fritz Alber, der gemeinsam mit der CDU Filderstadt und dem Landtagskandidaten Thaddäus Kunzmann zum politischen Mittagstisch geladen hatte, unter anderem über die jüngste Agrarministerkonferenz in Lübeck, an der Anfang Oktober auch der EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos teilgenommen hatte. Schwerpunkt dieser Tagung war die künftige Agrarpolitik in der Europäischen Union nach dem Jahr 2013. "Das, was in der europäischen Agrarpolitik entschieden wird, ist auch entscheidend für jeden landwirtschaftlichen Betrieb", sagte Köberle. "Und wir wollen die Interessen unserer Landwirte im Land vertreten." Der Kurs, den Europa anschlage, der stimme.
Dennoch wolle man künftig noch mehr für eine starke zweite Säule in der allgemeinen Agrarpolitik kämpfen. Zur Erklärung: Die sogenannte erste Säule bilden die Marktordnungen, die die Märkte stabilisieren und das Einkommen der Bauern garantieren - und so helfen sollen, die Versorgung der Verbraucher zu gewährleisten. Die zweite Säule ist die ländliche Entwicklung. Sie soll ländliche Gebiete durch die Entwicklung ihrer Wirtschaft erhalten.
Dabei betonte der Minister, wie wichtig die Landwirtschaft nach wie vor für die Bevölkerung ist. "Die Ernährung ist schließlich die Grundlage allen Erfolges", lobte er die Arbeit der Bauern. "Ohne die Landwirtschaft wäre auch die Ernährung nicht gewährleistet." Damit hatte er freilich nicht nur Fritz Alber auf seiner Seite. "Man müsste für die Landwirtschaft viel mehr werben", sagte dieser. Sein Sielminger Kollege Kurt Hertler stellte den zunehmenden Bürokratieaufwand in Frage. "Bürokratie muss es schon geben", gab Köberle zu bedenken. "Aber alles hat natürlich seine Grenzen", sagte er. Und diese seien mittlerweile überschritten. "Wir müssen Betriebe mittlerweile sogar zweimal kontrollieren, weil wir in der Vergangenheit zu wenige Fehler gefunden haben", sagte er. Dies habe zur Folge, dass seine Mitarbeiter einen Großteil ihrer Arbeit dafür verwenden müssten, anstatt andere wichtige Dinge zu erledigen. "Unser Ziel muss es sein, für die kommende Periode nach 2013 nicht noch mehr Auflagen zu schaffen", sagte Köberle.
Mitte November will EU-Agrarkommissar Ciolos seinen Entwurf für die künftige Agrarpolitik nach 2013 präsentieren. Dann könnte es künftig sein, dass die Landwirte der Bundesrepublik deutlich weniger Hilfen von der EU bekommen. Denn die EU will die Differenzen zwischen den Mitgliedsstaaten angleichen, was vor allem auch den osteuropäischen Ländern zugute kommen könnte. "Einen einheitlichen europäischen Hektarpreis können wir aber nicht wollen, weil wir dann die Verlierer wären", sagte Köberle.
Die erste Ministerbesuch der Polit-Reihe "3M + 1MP" fand am Dienstag, dem 12. Oktober 2010, auf dem Hof von Fritz Alber in Filderstadt-Sielmingen statt.

- Filderstädter Landwirte und Gemeinderäte interessieren sich für die Ausführungen des CDU-Landtagskandidaten Thaddäus Kunzmann. (Foto: TvB)

- Fritz Alber begrüßt den baden-württembergischen Minister für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz Rudolf Köberle auf seinem Hof in Sielmingen. (Foto: TvB)











